Stichwort: Kundalini

Auszüge aus dem Buch: -Kundalini Erfahrungen- von Kiu Eckstein


Mittlerweile weiß man auf Grund vieler detaillierter Forschungen, dass alle großen spirituellen Traditionen Kenntnis von Kundalini hatten, wenn auch unter sehr verschiedenen Namen. Viele haben ihre Mitglieder nur nach langer Vorbereitung in diese geheime und sorgfältig gehütete Wissenschaft eingeweiht. Das trifft für die großen Kulturen der Antike, für nordamerikanische Indianer, die wichtigsten Geheimbünde und auch für afrikanische Stämme zu. Natürlich findet man Kundalini auch in der christlichen Tradition, in der die Erweckung dieser spirituellen Kraft oft „die Ausweitung des Heiligen Geistes“ genannt wird. Wer die verschiedenen Erscheinungsformen von Kundalini kennt, kann den Tagebüchern und Biographien von Heiligen entnehmen, welche Art von Kundalini-Prozessen sie durchlebt haben.

Heute geht man davon aus, dass Kundalini nicht an einen Ort oder eine Zeit gebunden, sondern ein universelles, spirituelles Phänomen ist; denn im spirituellen Bereich gibt es nur wenige grundlegende Gesetzmäßigkeiten, die sich in unterschiedlichen Ausformungen in allen spirituellen Traditionen wiederfinden. Die physischen, psychischen und feinstofflichen Gegebenheiten sowie die inneren Vorgänge, die diesen Gesetzen folgen und den Zugang zu geistigen Bereichen öffnen, sind in allen Menschen dieselben.


Vor allem in Westen hat sich das Sanskrit-Wort Kundalini im Sprachgebrauch verselbstständigt. Genau genommen ist es nur ein Adjektiv. Es bedeutet eingerollt und erhält in unserem Zusammenhang seinen eigentlichen Sinn erst in der Verbindung mit dem Wort Shakti. In vielen der alten Schriften werden diese beiden Worte auch zusammen gebraucht. Um zu verstehen was Kundalini Shakti ist, müssen wir ein wenig ausholen. Die großen spirituellen Traditionen gehen davon aus, dass die gesamte materielle Schöpfung aus einem hierarchisch übergeordneten, absoluten Bewusstsein hervorgegangen ist, aus einem Laut oder einem Wort, wie es in vielen Religionen heißt.

Im Schöpfungsvorgang manifestiert sich dieses reine, absolute Bewusstsein und teilt sich dabei in zwei Aspekte oder sich ergänzende Pole. Der eine wird in der indischen Mythologie durch den Gott Shiva repräsentiert und als die statische, männliche Manifestation des Göttlichen und mithin als Bewahrer des form- und eigenschaftslosen absoluten Bewusstseins angesehen. Der zweite Aspekt dieser Polarität ist Shakti. Das Wort kommt von der Sanskrit-Wurzel shak, die das ‚Verfügen über Kraft‘  ‚die Fähigkeit zur Verwirklichung‘ zum Ausdruck bringt. Shakti ist also die allgegenwärtige, dynamische und weibliche Repräsentanz des Göttlichen, die schöpferische Urkraft, die allem Werden zugrundeliegt.

Shakti kann sich wie Energie im Ruhezustand verhalten. Dann ist sie eine latente, noch schlummernde Kraft, die auf unserer menschlichen Ebene als dreieinhalbmal eingerollte Schlange in Muladhara, dem Wurzel-Chakra, dargestellt wird. In diesem Stadium repräsentiert sie das spirituelle Potenzial, das allen Menschen ohne Unterschiede innewohnt.

Wenn Kundalini Shakti erweckt wird, entrollt sie sich und wird zur aktiven göttlichen Schöpferkraft. Als solche strebt sie nach oben zu Shiva , zum reinen, absoluten Bewusstsein, also zurück zur Einheit, aus der sie ursprünglich hervorgegangen ist. Dieser Vorgang findet zugleich auf der makro- und mikrokosmischen Ebene statt, im Universum und in uns Menschen. Ein Kundalini-Prozess ist, vereinfacht gesagt, die Erfahrung dieses unablässigen Aufwärtsstrebens, das, allen Widerständen zum Trotz, in einem begrenzten, zeitgebundenen Gefäß, in einem menschlichen Körper, vor sich geht. 

Als göttlichen Pulsschlag, muss man Kundalini verstehen, wenn man ihre Wirkung im Universum und in uns Menschen würdigen will. Kundalini ist Schwingung - vibrierende Wellenbewegung - eine Schwingung allerhöchster Frequenz, und diese Schwingung wohnt eingebettet im Bewusstsein wie die Welle im Meer.


Kundalini Shaktis Ursprung und Eigenschaften, machen klar, dass man einen Kundalini-Prozess nur annehmen kann. Widerstände oder eine Verweigerung führen nur zu äußerem und innerem Leiden und bedeuten den Verlust einer Chance, der größten, wenn auch oft schwierigsten, die einem in diesem Leben gegeben wird. Das einzusehen, kann für Menschen, die dieser radikalen, das ganze Wesen erfassenden Transformation unterzogen werden, außerordentlich schwierig sein.

Es liegt auf der Hand, dass ein Kundalini-Prozess etwas Schicksalhaftes an sich hat. Doch in wem, wann und warum im Leben eines Menschen Kundalini Shakti sich manifestiert, kann nicht beantwortet werden. Man kann nur eine Reihe besonderer, oft weit zurückliegender Ereignisse aufführen, die das Erwachen der Kundalini begünstigen oder auslösen können.

In außerordentlich seltenen Fällen, so heißt es, wird Kundalini unmittelbar, ohne die Hilfe eines Meisters, durch göttliche Gnade erweckt. Wenn ein lebender spiritueller Lehrer Kundalini erweckt, nennt man das Shaktipat. Dabei handelt es sich um eine direkte Übertragung geistiger Kraft vom Meister auf den Schüler.

Natürlich kann Kundalini auch durch bewusste, zielgerichtete Anstrengungen erweckt werden. Zu den einschlägigen Techniken gehören die traditionellen Formen von Yoga, eine Vielzahl meditativer Praktiken und andere Übungen aus den verschiedenen spirituellen Traditionen. Vor allem aber schafft eine konsequent durchgehaltene, von einer inneren Stimme inspirierte, spirituelle Lebensweise die Voraussetzungen feinstofflicher und psychischer Natur für das Erwachen Kundalinis und die weitere Entfaltung des Prozesses.

Seit ein paar Jahrzehnten ist offensichtlich geworden, dass Kundalini-Prozesse immer häufiger durch herausragende oder traumatische Ereignisse im Leben ausgelöst werden. Das kann durch schwere Krankheiten, den Tod eines sehr nahen Menschen, durch Unfälle und, wie oft berichtet wird, beim Gebären geschehen.

Dieses Hineingeworfenwerden steht in diametralem Gegensatz zur hergebrachten idyllischen Vorstellung vom Meister und seinem Schüler, von jahrelanger strenger und doch liebevoller Hinführung zu einem als Geschenk der Götter verstandenen Aufstieg Kundalinis in einem sorgfältig vorbereiteten menschlichen Gefäß.


Kundalini Shakti ist, ob man von ihr Kenntnis hat oder nicht, die auslösende, treibende und führende Kraft aller spirituellen Prozesse, wohlwollend und unerbittlich zugleich. Wenn sie erwacht, dann beginnt, am Anfang oft kaum wahrnehmbar, die spirituelle Suche. Sie kann auf sehr verschiedene Wege, auch auf Um- und Irrwege führen; denn Kundalini bringt einen nur auf den Weg, sie selbst ist kein Weg, keine religiöse Heilslehre.

Sie schreibt auch nicht vor, welchen der vielen Wege man einschlagen soll. Das den eigenen Neigungen angemessene Rüstzeug für diese Gratwanderung muss man selbst finden. Sie kann im Rahmen einer der vielen spirituellen Traditionen stattfinden oder auch ungebunden in eigener Verantwortung, nur der inneren, von Kundalini Shakti inspirierten Stimme folgen. Da Kundalini kein spezifischer Weg, sondern eine über allen Wegen stehende Instanz ist, kann sie, in einer späteren Phase helfen, bereits zurückgelegte Wegstrecken zu verstehen und dem tieferen Sinn unseres Lebens auf die Spur zu kommen.


Kundalini Shakti ist also das übergeordnete Agens jeder spirituellen Suche. Sie gehört nicht der Ebene kirchlicher Institutionen oder religiöser Doktrinen an und steht dem einen Guru nicht näher als dem anderen. Wenn man das in Betracht zieht, lässt sich vielleicht die große Zunahme von Menschen, die durch Kundalini-Prozesse gehen und sich dessen bewusst werden, als ein zeitgerechtes Phänomen begreifen.


Auszüge aus dem Buch: -Der Aufstieg der Kundalini- von Dietmar Krämer:


Erwacht die Kundalini vorzeitig, d.h. ohne jede Vorbereitung und ohne Reinigung von Körper und Geist, bringen Verunreinigungen in der Sushumna* die Kundalini zum Toben. Die strömende Kundalini löst auf ihrem Weg durch die Sushumna diese Verunreinigungen allmählich auf, wodurch sie aber noch stärker wird, weil sie jetzt ungehindert fließen kann. Auf diese Weise lösen immer feinere Unreinheiten in der Sushumna erneute Krisen aus. Objektiv steht es um den Betroffenen nun besser, weil die Sushumna immer mehr gereinigt wird, subjektiv bleiben jedoch die Krisen über Jahre dieselben. Dieser Vorgang hält so lange an, bis die Sushumna vollständig gereinigt ist, was unter Umständen viele Jahre dauern kann.

*Sushumna bezeichnet im Kundalini-Yoga und im Tantra eine Nadi (Energieleitbahn) des menschlichen Körpers. Diese Energieleitbahn soll in etwa der Wirbelsäule folgen und an ihrem unteren Ende beginnen und am oberen Ende enden


Tobt die Kundalini kommt es zu einer ganzen Reihe von körperlichen, psychischen und spirituellen Phänomenen, die teilweise äußerst heftig und für die Betroffenen als bedrohlich empfunden werden können.


a) Körperliche Phänomene

I - motorisch

unwillkürliche Körperbewegungen 

- anhaltendes Zittern mit und ohne Kältegefühle

- Vibrieren des gesamten Körpers

- Muskelzuckungen bis hin zu unvermitteltem Um sich-Schlagen wie bei

  elektrischen Schlägen 

- heftige Kopfbewegungen bis hin zu unkontrolliertem Kopfschütteln

- spontanes Einnehmen von Yoga-Positionen ( auch bei Personen die noch nie

  vorher Yoga praktiziert haben)

- spontanes Weinen, Schreien, Lachen, Singen, Pfeifen


ungewöhnliche Atemmuster  

- schnelles Atmen

- flaches Atmen

- tiefes Atmen

- längeres Anhalten des Atems

- schlagartiges Hyperventilieren


Lähmungen

- zeitweise Fixierung des Körpers in einer bestimmten

  Position 

- kataleptische Starre des gesamten Körpers 

- Lähmungserscheinungen im Bereich der Extremitäten


II - sensorisch

Lustvolle Sensationen

- Kitzeln, kribbeln, Jucken, Vibrieren sowohl auf der Haut als

   auch im Innern des Körpers

- elektrische Ströme, die durch einzelne Körperteile ziehen

- tiefes ekstatisches Kitzeln in einzelnen Körperbereichen

- orgastische Gefühle, die die Wirbelsäule aufsteigen


Hitze- und Kälteempfindungen

- extreme Hitze oder extreme Kälte im ganzen Körper oder in einzelnen

  Körperteilen

- glühende Hitze im Bereich innerer Organe

- Gefühl, innerlich zu verbrennen


Optische Halluzinationen

- Strahlendes Licht, das in der Wirbelsäule oder auch im

   Innern des Schädels wahrgenommen wird

- Lichtvisionen um den Kopf

- Innere Bilder, farbig, kaleidoskopartig

- Helligkeit in einem abgedunkelten Raum


Akustische Halluzinationen 

- Rauschen, Zischen, Zirpen, Pfeifen

- Tosen wie ein Wasserfall

- Musikinstrumente wie Flöten, Zimbeln, Glocken


Schmerz

- meist im Kopf oder in der Wirbelsäule

- beginnt abrupt und ohne erkennbare Ursache

- verschwindet wieder ebenso abrupt

- Gefühl von Starkstrom im Körper


b) Psychische Probleme

Ungewöhnliche oder extreme Emotionen

-ekstatische Glücksgefühle

- Gefühle des Friedens und der Harmonie mit der ganzen

   Welt

- Gefühl der Verbundenheit mit allen Wesen

- Empfindungen von Liebe und Freude

- Phasen intensiver Angst, Furcht, Verwirrung

- tiefe Depression


Verzerrungen des Denkprozesses

- verlangsamtes oder beschleunigtes Denken

- kurzfristige Blockade, die jegliches Denken unmöglich

  macht

- seltsame oder irrationale Gedanken

- Gefühl, kurz vor dem Ausbruch einer Geisteskrankheit zu

   stehen

- plötzliches Verfallen in tiefe Trancezustände

- Gefühl der Entfremdung oder gar Verwirrtheit


Losgelöstheit

- Eindruck, nur Beobachter zu sein und die eigenen

  Gedanken, Gefühle und Empfindungen nur aus der Ferne zu beobachten

- Innere Distanz zur Umgebung - die Außenwelt wird wie auf einer Kinoleinwand

  wahrgenommen, ohne eigenen Bezug


c) Spirituelle Phänomene

Außerkörperliche Erfahrungen

- Gefühl, den Körper zu verlassen

- Beobachtung des eigenen Körpers von außen


Paranormale Wahrnehmungen

- Fernwahrnehmungen (z.B. das Hören von Personen über weite Entfernungen )

- plötzliche Aura-Sichtigkeit

- Wahrnehmung von geistigen Führern

- Visionen von Meistern und Gottheiten


Auszüge aus dem Buch -Kundalini- von Bonnie Greenwell


Die Schlangenkraft, Kundalini, kann nicht umfassend beschrieben werden, selbst von jenen nicht, denen ihre Erweckung gelungen ist. Wenn sie erwacht, schießt sie wie ein elektrischer Schlag durch den Körper, und der Mensch bemerkt zitternd und verwundert, dass sich in ihm ein mächtiges Ereignis abgespielt hat. Das ist erst der Anfang. Im kosmischen Kontext kann man als Kundalini die Gesamtheit der Energien des Universums bezeichnen, die Lebenskraft oder die Quelle allen Seins.

Die Lebensverändernden Erfahrungen, die man während der Monate und Jahre eines Kundalini-Prozesses sammelt, betreffen den Körper, das Gefühlsleben und die Spiritualität.  Die Betroffenen durchleben dramatische Episoden, in denen heitere, ekstatische und qualvolle Stimmungen einander abwechseln können. Bei jedem einzelnen manifestiert sich ein anderes Muster, das sich nicht vorhersagen lässt und dessen Intensität und Zeitrahmen ganz verschieden ausfallen können. Bei manchen Leuten sind die Symptome mitten in der Nacht am stärksten, wenn die Widerstandskraft am schwächsten ist und die Psyche sich in einem entspannten Zustand befindet. Andere werden von schmerzhaften körperlichen Problemen heimgesucht, die sich der ärztlichen Diagnose verweigern, und die Symptome können auf unerklärliche Weise von einem Organ zum nächsten wandern. Einige wenige berichten von überwältigenden Glücksgefühlen und einer Flut wohliger körperlicher Empfindungen.

Bei Menschen in emotional oder körperlich anstrengenden Situationen oder bei Teilnehmern einer körperlichen Therapie habe ich oft beobachten können, dass Kriyas ( also zittern, Zuckungen, Verdrehungen und Vibrationen) vor allem in den Regionen der Chakras auftreten. Es hat den Anschein, als sei der Energiestrom an diesen Stellen blockiert, so dass die Energie nicht mehr sanft durch den Körper fließen kann. Möglicherweise verursachen ungelöste Probleme oder mentale Sperren, die sich irgendwie auf das betroffene Chakra beziehen, die Blockaden. Es ist auch vorstellbar, dass manche körperliche Beschwerden, die sich beim spontanen Kundalini-Erwachen einstellen, durch die Einwirkung der Kundalini-Energie auf die entsprechenden Chakras ausgelöst werden, die ja ihrerseits für die Steuerung der Arbeit bestimmter Organe zuständig sind.

Psychische Probleme, die man schon lange ungelöst mit sich herumträgt, können sich verschärfen; man verspürt Todesangst oder fürchtet, wahnsinnig zu werden; Stimmungen schlagen rasch und heftig um; man empfindet leidenschaftlicher; bedingungslose Liebe oder eine starke Empfänglichkeit für die Stimmungen anderer dominieren das Gefühlsleben. Die Betroffenen Verspüren die dringende Notwendigkeit, emotionale Probleme zu erkennen und anzugehen.

Zu den häufiger auftretenden emotionalen Problemen zählt die Todesangst. Viele Leute haben von solchen extremen Anfällen berichtet: Sie waren hundertprozentig davon überzeugt, dass ihre körperlichen Beschwerden nur der Anfang vom Ende seien. Oft kommt es zu Panikattacken. Der Grund für die Befürchtung, während des Prozesses sterben zu müssen, liegt wahrscheinlich in dem todesähnlichen Zusammenbruch, den das Ich erlebt. Außerdem sind extreme und unvorhersehbare Stimmungsumschwünge verbreitet. Man pendelt - manchmal mehrfach täglich, manchmal im Laufe von Wochen - zwischen tiefer Depression und Euphorie.

Um Erlösung zu finden, muß man sich diesem Prozess hingeben und sich in die Energie hineinfallen lassen.

Die emotionalen Berg- und- Tal-Fahrten können auch als Machtkämpfe zwischen dem Ich und dem Selbstbewusstsein gedeutet werden, die unvermeidlich sind, bis es einem gelingt, die Energie und das neue Bewusstsein, die das althergebrachte System erschüttert haben, zu stabilisieren.

Der Psychologe David Lukoff sieht vor, dass man Betroffene ein großes Maß an Freiheit einräumt und sie nicht in einer Klinik, sondern in einem privaten Anwesen mit eher klösterlicher Atmosphäre unterbringt, wo sich Freunde und Angehörige rund um die Uhr um sie kümmern können.

 

 

zusammengestellt von: 

Stephan Schwartz 

www.krisenfreun.de






 

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